Viele gemeinnützige oder auch gemeinwohlorientierte Organisationen suchen nach passenden Fördermitteln, empfinden aber das Förderwesen als Förderdschungel. Zu recht.
Auch deshalb suchen sie oft nach externer Hilfe bei der Fördermittelrecherche, dem Antrag schreiben oder der Abrechnung. “Jemand, der es für uns macht”, eben.
Doch was dabei oft übersehen wird: Wer öfter Fördermittel braucht, braucht nicht nur einen erfolgreichen Antrag.
Der braucht eine Förderstrategie, übersetzt in klare Förderprozesse. Um nicht nur einmal, sondern öfter Fördermittel einwerben zu können.
Regelmäßig jemanden von extern zu beauftragen ist dabei gerade für gemeinnützige Organisationen zu teuer. Und zum Teil auch nicht besonders sinnvoll, denn neue Ideen entstehen nicht extern, sondern innerhalb der eigenen Organisation. Eine reine Auslagerung von Förderprozessen geht daher oft mit Verlusten einher: Verlust von Geld, Wissen und Ideenpotenzial.
Baden-Württemberg versucht in einzigartiger Art und Weise gemeinnützige, zivilgesellschaftliche oder gemeinwohlorientierte Projekte vor Ort zu stärken. Und hat ein Programm aufgelegt, das Förderung ganzheitlicher denkt als manch anderes Bundesland: Die Landesstrategie “QUARTIER 2030”.
Besondere Förderung in Baden-Württemberg: Mit der Strategie “Quartier 2030 – Gemeinsam.Gestalten”
Über 500 geförderte Projekte und bald 700 erreichte Kommunen: das ist das Zwischenfazit der Strategie „Quartier 2030 – Gemeinsam.Gestalten“ der baden-württembergischen Landesregierung. Ein Anlass, der bei der 9. Fachkonferenz der Landesstrategie im Oktober 2026 gefeiert wurde (offizieller Nachbericht zur Fachkonferenz hier)
Neunter Landesfachtag der Landesstrategie QUARTIER2030 in Baden-Württemberg 2026. Eröffnet wurde der Tag von der inklusiven Band Tollhousegäng.
Hunderte geförderte Projekte also, in denen Engagement, Begegnung und Teilhabe im Zentrum stehen. Und es soll noch weitergehen, so die positiven Zeichen aus dem Sozialministerium beim Fachtag im Oktober 2026.
Kein anderes Bundesland fördert lokales, regionales bzw. gesellschaftliches Engagement vor Ort so konkret und gleichzeitig mit einer unterschiedlichen Fülle an Fördermaßnahmen wie Baden-Württemberg.
Und darauf bin ich als ehemalige Förderprüferin, die in Baden-Württemberg lebt und arbeitet, schon ein bisschen stolz.
Obwohl ich mir einen Übertrag auf andere Bundesländer durchaus wünschen würde.
Seit 2017 gibt es sie nun schon: die Quartiersstrategie “Quartier 2030”. Zuerst bis ins Jahr 2020 angelegt und schließlich bis 2030 verlängert.
Viele Projekte, Partnerschaften und Erfahrungsaustausche wären ohne diese baden-württembergische Unterstützungs- und Fördermaßnahme nicht zustande kommen. Darauf verweist bereits ein Evaluationsbericht aus dem Jahr 2021, herausgegeben vom Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg.
Doch was genau steckt drin, in dieser baden-württembergischen Quartiersstrategie? Und wie können Kommunen, Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch Vereine, Unternehmen und Organisationen in Baden-Württemberg von den Fördermitteln profitieren?
Die Förderschwerpunkte der baden-württembergischen Quartiersstrategie “Quartier 2030”
Es geht um Zusammenhalt, um Alters- und Generationengerechtigkeit und vor allem um eines: um lebenswerte Städte und Gemeinden.
Und um deren Finanzierung. Und besonders dort, wo es um gesellschaftliches Engagement geht, weiß ich, wie knapp die Kassen sind.
Was mir besonders an der Quartiersstrategie in Baden-Württemberg gefällt, ist die Tatsache, dass sie nicht künstlich an geografischen Grenzen Halt macht. Sie fördert nicht wie andere Programme “nur Städte” oder “nur Dörfer” oder nur den “ländlichen Raum”.
Was zählt ist vielmehr, dass sie dort fördert, wo es sich um einen geteilten, alltäglichen Lebensraum handelt. Ein Lebensraum, in dem ein “Wir-Gefühl” für die Menschen entstehen kann (siehe auch Abschlussbericht zur Begleitforschung Quartier 2020).
Menschen, Initiativen und Projekte, die sich einer solchen “Lebensraum-Definition” zugehörig fühlen und sich für dessen Erhalt einsetzen, können über die Strategie “Quartier 2030” Unterstützung erhalten, und zwar in folgenden fünf Schwerpunkten:
· Information
· Beratung
· Förderung
· Qualifizierung
· Vernetzung & Erfahrungsaustausch
Zahlreiche Informationsmaterialien, Arbeitshilfen, Beratungsmöglichkeiten, Qualifizierungsangebote sowie Vernetzungsmöglichkeiten und effektive Projektförderung stehen kostenfrei oder finanziell unterstützt bzw. gefördert zur Verfügung.
Besonders hervorzuheben ist dabei der Ansatz der Unterstützung zur Hilfe zur Selbsthilfe. Denn bei der Quartiersstrategie geht es nicht darum, Projekte “von oben” herab zu initiieren, sondern um das Vertrauen in die Menschen vor Ort und um die Unterstützung deren Ideen.
Auch geht es nicht darum, einer “Projekttitis” Vorschub zu leisten, sondern zudem um den Kompetenz- und Wissensaufbau, so dass Projekte möglichst auch nach einer Förderperiode weiter existieren können.
Das finde ich wichtig, gerade auch in Bezug auf Förder- und Finanzierungskompetenz.
Denn in Zeiten knapper Kassen wird mir in meinem Beruf als Förderbegleiterin immer wieder bewusst, welche Organisationen und Projekte es schaffen, Krisen zu überstehen und “wetterfest” zu bleiben:
Jene, die sich methodisches, technisches Wissen und Grundwissen zu Fördermittel, Fundraising und Finanzierung aneignen. Jene, die nicht darauf hoffen, dass das Geld schon irgendwie kommen wird (“weil man ja etwas Gutes tut”), sondern diejenigen, die ein Projekt wie eine kleine Unternehmung führen und Finanzierungsstrategien entwickeln.
Und deshalb ist es mir auch wichtig, den Aspekt der Qualifizierungsförderung (Weiterbildungsförderung und Beratungsförderung) im Rahmen der Strategie „Quartier2030“ hervorzuheben.
Förderpraxis in der Anwendung: Zwei starke Angebote in Baden-Württemberg
Beratungsförderung für die direkte 1:1-Beratung
In Baden-Württemberg ist es möglich, verschiedene Fördermittel bzw. Zuschüsse für Projekte oder Initiativen im Bereich Quartiersentwicklung zu bekommen. Quartiersentwicklung ist dabei sehr breit gedacht, denn allgemein geht es dabei um alle Projekte, Initiativen, Ideen, die dazu beitragen, das Miteinander vor Ort zu stärken.
Neben Sachkostenzuschüssen oder auch Personalkostenförderung kann man sich bei der Allianz für Beteiligung e. V. auch auf eine Beratungsförderung bewerben.
Das ist nützlich, wenn es um verschiedene, individuelle Fragen der Ausgestaltung von Organisationen, Initiativen und Projekten in diesem breiten Themenfeld der Quartiersentwicklung geht.
Mehrmals im Jahr können Initiativen je 4.000 Euro Fördermittel für eine Beratungsförderung beantragen. Und im Berater:innenpool lässt sich gleich eine geeignete Person für die Beratung finden.
Hervorzuheben ist, dass die Förderbedingungen der einzelnen Förderprogramme der Allianz für Beteiligung sogar in leichter Sprache verfasst sind und dass ein verhältnismäßig niedrigschwelliger Antragsaufwand besteht.
Natürlich, soviel gehört zur Ehrlichkeit dazu: die Töpfe der Allianz für Beteiligung e. V. sind begehrt, das heißt, es gibt (wie übrigens generell bei öffentlichen Fördertöpfen) keine Garantie für eine Bewilligung.
Jedoch rate ich in meinen Weiterbildungen immer dazu, es zu versuchen. Im Zweifel hat man bei überschaubarem Antragsaufwand wenigstens etwas fürs nächste Mal gelernt: denn Fördermittelgewinnung hängt von verschiedenen Faktoren ab, aber sie ist auch Trainingssache.
Wer nicht anfängt, Anträge zu stellen oder sich diese ohne Verstand von einer KI zusammenschustern lässt, der wird das System und die Sprache der Fördermittelgewinnung nicht verstehen. Und das wäre doch schade?
Kompetenzaufbau fördern lassen: Expertise, Fördermittelwissen und strategisches Know-how erlernen
Wir wissen alle, dass die Welt sich immer schneller dreht und wir sowohl mit technischen Neuerungen als auch sozialen Entwicklungen umzugehen lernen müssen. Und dabei eine Zukunftskompetenz nicht vernachlässigen dürfen: Lebenslanges Lernen.
Stand der Quartiersakademie Baden-Württemberg beim neunten Fachtag der Landesstrategie QUARTIER2030
In Baden-Württemberg hilft die Quartiersakademie genau hierbei, denn dort gibt es Förderung für den Aufbau von Zukunftskompetenzen, um die eigene Lebenswelt vor Ort (z. B. im Stadtteil, Quartier, der Nachbarschaft, im Dorf, usw.) mitgestalten zu können.
Für Quartiersprojekte oder generell für Projekte mit (bürgerschaftlichem) Engagement sind dabei verschiedene Kompetenzen wichtig und hilfreich. Die Quartiersakademie bietet daher (geförderte) Weiterbildungen in 5 Schwerpunktbereichen (jeweils mit entsprechenden Unterthemen) an:
Person / Lebenswelt
Sozialraum
Beteiligung / Engagement
Steuerung
Je nach Schwerpunkt ist es möglich, eine Weiterbildungsförderung z. B. zu folgenden Unterthemen zu beantragen:
Lebensbedingungen von Menschen und speziellen Zielgruppen verbessern lernen (z. B. Kinder-/ Jugendarbeit durchführen, Nachbarschaftsgestaltung, Interkulturelle Kompetenzen),
Sozialräume bestimmen, analysieren und die Arbeit methodisch darauf anpassen können,
Beteiligungsmanagement und Ehrenamtskoordination erlernen,
Sektorübergreifende Kooperationen aufbauen können,
sowie Projekte steuern und finanzieren lernen.
Alle Weiterbildungsangebote durchlaufen vor der Aufnahme ins Programm einen offiziellen Bewerbungsprozess und Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden regelmäßig nach ihren Erfahrungen und ihrer Zufriedenheit mit der Weiterbildung befragt. Das habe ich selbst erfahren dürfen und das löste auch bei mir als Anbieterin und Vermittlerin von Fördermittelkompetenz ein hohes Vertrauen aus.
Auf der Webseite der Quartiersakademie finden sich zudem auch einige Zitate von Teilnehmer:innen. Eine Teilnehmerin, die bei mir im Workshop „Förderanträge zeiteffizient vorbereiten“ war, ist dort mit folgenden Zitat benannt:
Zitat einer Workshopteilnehmerin, die über die Quartiersakademie Baden-Württemberg an einem Workshop von Christina Merz zum Thema Fördermittel teilgenommen hat.
Und noch eine erfreuliche Nachricht: Die Antragstellung auf einen Weiterbildungszuschuss für eine geförderte Weiterbildung ist niedrigschwellig. Eine kurze Beschreibung zur eigenen Motivation und zum geplanten Projekt bzw. der Initiative reichen aus, damit der Antrag geprüft wird. Zudem kann man sich in der Regel noch bis zu 5 Tage vor Veranstaltungsbeginn auf einen Weiterbildungszuschuss und damit eine geförderte Teilnahme bewerben.
Übrigens, bisher noch nicht so bekannt, aber dennoch ein wichtiger Baustein: Die Quartiersakademie fördert auch Inhouse-Schulungen. Das sind Weiterbildungen, an denen alle Teammitglieder einer Initiative, einer Kommune, eines Vereins etc. teilnehmen können. Auch kooperierende Organisationen können sich bewerben.
Der strategische Wert: Warum eigenes Fördermittel-Wissen unersetzbar ist
Eigentlich liegt es auf der Hand, aber kaum jemand macht sich Gedanken darüber, doch: Wer selbst Handlungsfähigkeit für die Fördermittelgewinnung erlangt, der wird nicht dauerhaft von externen Beratern abhängig sein. Und derjenige wird sich auch weniger davon verwirren lassen, wenn in unserer schnelllebigen Zeit mal wieder ein neues Tool oder eine neue Methode in den Social Media Plattformen auftaucht, die angeblich „schnelles Geld“ verspricht. Wer selbst beurteilen kann, was gut und richtig für die eigene Organisation ist, der wird sich weniger in falschen Versprechungen verirren.
Weitere Vorteile vom Fördermittel-Kompetenzaufbau in der eigenen Organisation sind:
Kontinuität: Förderwissen verbleibt in der Institution, auch bei Personalwechseln (sofern es vorher geteilt wird).
Effizienz: Schnellere, passgenauere Förderanträge durch tiefes Verständnis der eigenen Projektstruktur und wie man diese gegenüber Fördergebern argumentiert.
Kostenersparnis: Externe Beratung muss nur noch punktuell hinzugezogen werden. Und bleibt somit auch kostenmäßig überschaubar. So erlebe ich es auch selbst mit ehemaligen Kund:innen. Denn unsere Zusammenarbeit zielt immer darauf ab, dass sie ihre Förderprozesse selbst vorbereiten und durchführen können. Nur für den Feinschliff und den ehemaligen Prüfer:innenblick, oder anders: für ein Antragsreview, ziehen sie mich dann und wann hinzu. Und das ist sehr wertvoll, denn: wenn beide Seiten wissen, was sie voneinander wollen, entsteht eine hohe Effektivität.
Lebenslanges Lernen als unterschätzte Zukunftskompetenz
Leider stelle ich in der Fördermittelwelt immer wieder fest, dass Qualifizierungs- und Weiterbildungsfördermittel weniger stark nachgefragt sind als Projektförderungen.
Das ist schade, denn Projektfördermittel sind IMMER irgendwann aufgebraucht – Wissen, zum Beispiel um Weiterfinanzierung, Anschlussförderungen oder auch um den Finanzierungsstrang „Fundraising“ bleibt.
Wer sich insbesondere für die Möglichkeit eines Weiterbildungszuschusses für Fördermittel und Fundraising (u. a. Spenden, Sponsoring u. v. m) interessiert, der schaue gerne einmal auf diesen beiden Angebotsseiten nach:
Sowohl „Zukunftsprojekte entwickeln – Fördermittel gewinnen“ als auch „Clever finanziert – Fördermittel und Fundraising“ sind in den Katalog der Quartiersakademie aufgenommen und stehen somit für eine Vorab-Beantragung einer Weiterbildungsförderung in Baden-Württemberg zur Verfügung.
Wer sich noch nicht so ganz entscheiden kann, dem kann ich darüber hinaus das Online- und Präsenz-Angebot „Speed-Beratung Fundraising und Fördermittel“ ans Herz legen, das Sabine Volkert und ich ins leben gerufen haben. In regelmäßigen Abständen beraten wir hier zwei Organisationen zu Fördermitteln und Fundraising. Und alle andere dürfen zuhören und mitlernen.
Die Termine für die „Online-Speed-Beratung Fundraising und Fördermittel“ sowie für Präsenzveranstaltungen (bei denen wir das Format auf Anfrage auch gerne durchführen), gebe ich regelmäßig in meinem Newsletter bekannt.
Christina Merz begleitet euch beim Aufbau von Förderwissen, entweder im direkten 1:1 oder in der Kleingruppe. Immer individuell und persönlich.