Fördermittel-KI im Test: Meine Erfahrungen nach zwei Versuchen
In diesem Beitrag:
Vorneweg: Was heißt es eigentlich, wenn ich sage, dass ich einen Fördermittel-KI-Test durchgeführt habe? Bin ich etwa von der Förderberaterin zum Testlabor für “Fördermittel-KI” geworden?
Ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Ich bin - wie viele andere vermutlich auch - ein Mensch auf der Suche nach Dingen, die mir das Leben leichter machen.
Und nach Dingen (oder neudeutsch: “Tools”), die meinen Kundinnen und Kunden das Leben leichter machen. Und genau für diesen Zweck teste ich regelmäßig rein aus der Praxis heraus (ohne wissenschaftlichen Versuchsaufbau), was sich eignet. Für mich. Und für meine Kund:innen.
Deshalb beschreibt dieser Artikel eine vermutlich eingeschränkte Sichtweise auf Fördermittel-KIs. Auch wenn ich in den letzten Wochen regelmäßig Gespräche mit Anbietern von Fördermitteln-KIs hatte und glaube, dass ich einen relativ guten Überblick habe, was sich am Markt gerade so tut.
Eine allgemeingülte Antwort darauf, welche Fördermittel-KI sich für wen, wann und in welchem Einsatzszenario eignet, gibt es nicht.
Aber vielleicht erzeugt dieser Artikel ein wenig Experimentierfreude, sich auch einmal mit einer Fördermittel-KI zu beschäftigen (wer abkürzen möchte, springe direkt zum Fazit).
Was sind spezialisierte Fördermittel-KIs?
In den letzten Jahren haben es sich einige Menschen zur Aufgabe gemacht, den Förderdschungel zu durchdringen. Manche – wie ich – mit der Idee, andere Menschen persönlich an die Hand zu nehmen und das Dickicht zu lichten.
Andere Dienstleister haben sich entscheiden, dem Förderwissen mit den Mitteln der Digitalisierung Herr:in zu werden. Sie entwickeln spezialisierte KI-Tools, die sie mit Blick auf den Fördermittelbereich trainieren.
Diese KIs sollen also ausschließlich bei der Fördermittelgewinnung helfen. Und diese Spezialisierung unterscheidet sie von „Allrounder-Tools“ wie ChatGPT, Claude, Mistral und Co.
Bei den speziellen Tools sind derzeit vor allem Anwendungen zur Recherche von Förderprogrammen üblich, aber immer häufiger werden auch Bausteine für die Förderideen-Entwicklung, den Förderantrag ansich und zur Fördermittelabrechnung hinzugebaut. Alle diese Tools sind kostenpflichtig und mir sind sowohl Tools mit einem monatlichen Abopreis ab ca. 60 Euro, bis hin zu Tools mit einem Pauschalpreis von 20% der Fördersumme begegnet. Je nach Umfang der versprochenen Leistungen und Zielgruppe.
Fördermittel-KI-Test, Klappe die erste: Verbundprojekte nicht abbildbar
Schon im letzten Jahr habe ich ein spezialisiertes (in Deutschland entwickeltes Tool) getestet und war enttäuscht. Dieses Tool konnte die Grundlagen von Förderprojekten nur ansatzweise, aber nicht individualisierbar, abbilden. Es war z. B. nicht vorgesehen, ein Verbundprojekt zu formulieren und als ich dazu eine Anfrage an das Entwicklungsteam stellte, war nicht nur Schweigen im Walde, es war offenbar auch nicht klar, wovon ich spreche.
Verbundprojekte sind aber eine wesentliche Form von Förderung und werden zum Teil auch explizit gefordert. Dann nämlich, wenn ein Fördergeber eine Kooperation zwischen mehreren Partnern fördern möchte. Sinn macht das z. B. bei überbetrieblichen Kooperationen oder auch bei Projekten, wo bewusst Innovationen dadurch entstehen sollen, dass mehrere Perspektiven zusammenkommen.
Was mir nicht gefiel, war jedoch nicht nur, dass das Tool Verbundprojekte nicht abbilden konnte. Denn es ist klar, dass alles seine Zeit braucht und sich die Tools weiterentwickeln. Aber: Beworben wurde dieses Tool zum Zeitpunkt meines Tests damit, dass es sich für alle möglichen Arten an Förderung eignet.
Und das ist genau meine Kritik daran: Der Fördermittelbereich ist genauso vielfältig wie z. B. die Juristerei bzw. Rechtsberatung. Nur: Jeder Anwalt spezialisiert sich auf wenige Bereiche und das mit Grund.
Warum wird Spezialisierung nicht endlich auch in der Fördermittelbranche gelebt? Und warum wird nicht transparent darüber gesprochen, welche Schwerpunkte sowohl menschliche als auch technische Berater:innen legen?
Das Marketing ist schnell(er) – kommt die Entwicklung hinterher?
Kurzum: Das im letzten Jahr von mir getestete Tool kann laut Marketingtext für alle Projekte, egal ob groß oder klein, genutzt werden.
Tja, nur eben nicht für Partnerprojekte, eine jener Projektformen, die ich in meiner Laufbahn als Förderprüferin zu einem überwiegenden Teil bewilligt habe und die in der öffentlichen Projektförderung bis heute eine bedeutende Rolle spielen. Das erleben wir gerade zum Beispiel beim neuen Call des Innovationsprogrammes Geschäftsmodelle und Pionierlösungen des BMWE (Stand August 2026). Für das IGP-Förderprogramm wäre mein getestetes Tool also überhaupt nicht nützlich gewesen.
Trotzdem: KI-Tools entwickeln sich schneller als ich „Kaaaaaa-Iiiiiiiii“ sagen kann. Und ich als Nicht-Informatikerin kann nicht sagen, wie schnell das tatsächlich geht und wohin das führt. Glaubt man den Versprechen, dann müssten diese Tools bald die „Herrschaft“ übernehmen. Und mich als Förderberaterin und euch als Antragsteller:innen bald ersetzen.
KI - auch ein Thema bei der re:publica:
Wer sich generell Gedanken zu KI und Herrschaft macht: Mit meiner Fundraising-Kollegin Sabine Volkert war ich auf der re:publica. Spannend war unter anderem die Keynote über “Herrschaft und KI” (Empire of AI von Karend Hao). Ein öffentlich zugängliches Video des Vortrages gibts hier.
Fördermittel-KI Test, Klappe die zweite: falsche Rechtsform führt zu unpassenden Förderprogrammen
Ein halbes Jahr später nach meinem ersten Test habe ich mich erneut ans Testen gewagt. Dieses Mal an ein anderes (deutsches) KI-Fördermitteltool. Eines, das laut Marketing noch viel weiter in der Entwicklung ist als das von meinem ersten Test.
Ich habe das KI-Fördermittel-Tool mit meinen Organisationsdaten (Adresse, Webseite, formale Daten) gefüttert. Dazu gehörte auch, dass ich in einer Auswahlliste zur Einsortierung meines eigenen Organisationstyps „Unternehmen“ (und NICHT gemeinnützige Organisation) angekreuzt habe, denn so entspricht es der Realität.
Außerdem habe ich dem Tool inhaltliche Informationen über mich und meine Arbeit gegeben, indem ich eine meiner Angebots-Webseiten hinterlegt habe. Mein Ziel war es, Fördermittel für eine neue Version meines Weiterbildungsprogrammes „Clever finanziert“ zu finden. Clever finanziert ist eine Kompakt-Weiterbildung für “Fördermittel und Fundraising”, für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Vorabprüfung eine Kurskostenförderung beantragen können. Fördermittel für die Fördermittel-Weiterbildung sozusagen. Und das wollte ich ausbauen.
Nun sollte es für ein Fördermittel-KI-Tool ja ein Leichtes sein, mir für eine Neuauflage des Bildungsprogrammes ebenfalls Fördermittel zu finden. Ich hab es ja aus meiner rein menschlichen Kraft heraus für das bisherige Format auch geschafft (zusammen mit meiner Kollegin Sabine Volkert).
Das Ergebnis: Förderprogramm-Vorschläge der Fördermittel-KI
Mein Test-Tool erstellte mir auf Basis meiner Informationen (Unternehmensdaten, Webseite, Fragebogen-Antworten) eine Skizze.
Diese las sich auf den ersten Blick gut, jedoch war das Umsetzungskonzept, das mir vorgeschlagen wurde, völlig überladen mit Arbeitspaketen und einer zu hohen Finanzkalkulation.
Ich habe versucht, diese Daten im Formular zu korrigieren, musste allerdings feststellen, dass eine Aktualisierung für mich nicht möglich war. So blieb es bei einem 20.000 Euro-Projekt, das mir die KI vorschlug, obwohl ich die Arbeiten und Kostenpositionen händisch auf einen Umfang von 10.000 Euro reduziert hatte.
Mit dieser nicht korrigierbaren Version ging das Tool also in die Recherche nach Förderprogrammen.
Und fand 16 mögliche Programme. Klingt erstmal gut, nur:
Alle Programme bis auf eines waren von Stiftungen. Von Stiftungen, die gemeinnützige Organisationen fördern. Und ich hatte klar angegeben, dass meine Organisation in diesem Falle einer wirtschaftlichen und keiner gemeinnützigen Rechtsform unterliegt.
Zudem wurden mir fast alle Programme aus dem Bereich Altenhilfe und Gesundheit vorgeschlagen. Etwas, das mich sehr überrascht hat, da ich nirgends in meinen Antworten diesen Themenbereich oder die Zielgruppe der Senior:innen erwähnt hatte. Im Gegenteil: in den hinterlegten Informationen hatte ich völlig andere Zielgruppen genannt (z. B. kommunale Mitarbeiter:innen, Mitarbeiter:innen in gemeinnützigen Organisationen etc.).
Für wen kann eine Fördermittel-KI (trotzdem) sinnvoll sein?
In meinem Test suchte ein KI-Fördermitteltool, das sich auf deutsche Fördermittel spezialisiert hat, für mich nach Förderprogrammen. Insgesamt ging das recht schnell.
Nur leider ignorierte das Tool meine Eingaben und Abänderungen zum Teil komlpett. Und suchte damit mit einem völlig falschen Suchmodus (Gemeinnützigkeit statt wirtschaftliches Unternehmen) und einer völlig falschen Zielgruppe in einem völlig anderen Themengebiet (ältere Menschen, Gesundheit).
Gleichzeitig jedoch suggerierte mir das Tool, dass 14 der 16 gefundenen Programme sehr gut für mich und mein Anliegen geeignet wären und motivierte mich zur Antragstellung.
Tatsächlich wäre ich mit meiner Förderidee bei allen diesen Programmen gescheitert und hätte eine Menge Zeit für eine völlig chancenlose Antragstellung verpulvert.
Das habe ich jedoch nicht getan, sondern brach stattdessen den Test enttäuscht ab. Immerhin: in etwas mehr als einer Stunde hatte ich gemerkt, wie dankbar ich bin, dass ich auf meine eigene Fördermittel-Expertise zurückgreifen und schnell einschätzen kann, was passt (oder in diesem Falle eher nicht passt).
KI-Tools für Fördermittel nutzen: Was man vorher wissen sollte
Wieviel Vorwissen ist denn aber nun nötig, wenn man KI-Fördertools einsetzen will? Das ist für mich nicht eindeutig zu beantworten, denn die oben genannten Ergebnisse kamen nicht aufgrund von Falscheingaben von mir zustande.
Aber im Allgemeinen würde ich sagen, dass zu Beginn auch hier das Prinzip “GIGO” zählt, das es auf jeden Fall zu vermeiden gilt.
GIGO steht für “Garbage in - Garbage out” und bedeutet nichts anderes, als dass die Qualität der Ergebnisse von der Qualität des Inputs (der Eingabe) abhängt. Ein KI-Tool kann noch so gut, noch so mächtig sein: Wenn der Mensch völlig ahnungslos von Fördermitteln damit umgeht, dann fehlt das, was ich eine “Grundexpertise” nenne.
Und damit meine ich nicht korrektes Prompten. Das ist bei den aktuellen Fördermittel-Tools schon fast überholt, denn ich muss hier als Anwender:in praktisch nicht mehr in klassischen Sinne prompten.
“Grundexpertise” ist aber viel mehr: Sie besteht aus Basiswissen. Das beginnt schon bei der Frage danach, welche Art Fördermittel ich überhaupt suche und ob ich zwischen Gründerförderung, investiver Förderung oder nicht-investiver Projektförderung unterscheiden kann.
Und: Grundexpertise besteht aus Urteilsfähigkeit darüber, ob die Ergebnisse nicht nur richtig im Sinne von korrekt sind, sondern auch, ob die Ergebnisse zu meinem Anliegen passen.
Was sollte man also wissen, bevor man KI-Tools als “Helferlein” zu Rate zieht?
Für mich besteht Fördermittel-Grundwissen aus 6 Wissensbausteinen:
Grundlagen Förderarten und -prozesse kennen,
Förderideen entwickeln (können),
Grundlagen Projektmanagement kennen,
Sprache der Fördergeber verstehen,
Antragssystematik beherrschen,
Wettbewerbskriterien kennen.
All das zu trainieren, ist gar nicht so schwer. Das Büro für Zukunftsprojekte und Förderung bietet beispielweise eine “neben dem Job”-Weiterbildung für Fördermittel-Beauftragte (und alle, die es werden wollen) an.
In nur 4 Wochen gehen wir die genannten 6 Bausteine zeiteffizient und job- oder Ehrenamt begleitend durch. Zu den Weiterbildungsangeboten für Gemeinnützige und die Angebote für wirkungsorientierte Unternehmen.
In einem unverbindlichen Gespräch können wir auch die Möglichkeiten eines Zuschusses für Beratung und Wissensaufbau rund um Fördermittel besprechen.
Fazit: Fördermittel-KI-Tools - wer sie unbedingt mal probieren sollte
Wer aktuell ohne jegliches Fördermittel-Grundwissen als Anfänger die KI zur Hilfe nimmt, wird in eine Sackgasse laufen und im schlimmsten Falle bei den ohnehin schon überlasteten Förderstellen einen unpassenden Antrag einreichen.
Das führt zu systemischen Problemen, wie beispielweisen zu verzögerten Antragsprüfungen und langen Bewilligungszyklen. Oder gar zum Aussetzen ganzer Förderprogramme, wie wir es jüngst in den Jahren 2025/26 gehäuft erleben.
Des Weiteren sind spezialisierte Tools derzeit noch nicht ausreichend für Förderprofis nutzbar. Zumindest lieferten sie für mich mit über 15 Jahren Fördermittelerfahrung und betreuten Projekten von 10 Tsd. bis 16 Millionen Euro noch keinen ersichtlichen Mehrwert.
Wer sich jedoch im Mittelfeld zwischen blutigem Anfänger und Profi befindet, der kann gerne meinen untenstehenden Rat befolgen und sich an das Experiment “Fördermittel-KI” einmal heranwagen.
Denn, dass wir in Deutschland selbst Anwendungen entwickeln und uns nicht nur auf große, amerikanische „Allrounder“ verlassen, das begrüße ich sehr (auch wenn viele der spezialisierten Tools bei der Entwicklung doch wieder amerikanische Systeme zur Hilfe nehmen. Aber immerhin verfügen sie über ein deutsches Hosting).
Und dass wir alle - auch wir Förderberaterinnen und Förderberater - nach Erleichterung im Förderdschungel suchen, ist nur allzu verständlich.
Deshalb gilt für mich: Wer nicht probiert, bekommt keine individuellen Ergebnisse.
Mein Rat: Wer schon ein wenig etwas über Fördermittel weiß, sollte schauen, ob die Fördermittel-KI-Tools über kostenfreie Probeabos verfügen. Und damit starten zu testen. Am besten an einem Beispiel, das ihr selbst gut kennt, z. B. anhand eines laufenden Förderprojektes oder eines Themas, bei dem ihr inhaltlich schon gut sattelfest seid.
Das bringt zwar erstmal keinen Innovationssprung, aber so könnt ihr selbst selbst beurteilen, ob die Ergebnisse für euch ausreichend treffsicher sind und sich eine weitere Investition in das jeweilige Tool lohnt.